August 16

Auswanderung in 2020 – wie alles begann

Auswanderung in nur 3 Monaten?

Auswanderung in Rekordzeit! Klingt unmöglich? Nicht denkbar? Nicht planbar? "Alle sagten, das ist unmöglich! Bis einer kam, der das nicht wusste und hat's einfach gemacht!" Diese eine, das war ich!

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Liebe Grüße aus Schweden!

Nun bin ich tatsächlich hier in Schweden gelandet und bin glücklicher als je zuvor. Diese Entscheidung für die Auswanderung fühlt sich nach wie vor richtig an und ich habe keine Sekunde lang bereut, dass ich mein Leben so radikal geändert habe.

Wo genau bin ich in Schweden?


Mitten im Wald. Ganz weit oben im Norden. Ungefähr 20 km vom nächsten kleinen Dorf Nattavaara entfernt. Über dem Polarkreis. Hier habe ich alles gefunden, was ich so dringend gebraucht habe - viel Ruhe und Harmonie mit der Natur, unendliche Wälder und idyllische Moorlandschaften, meinen inneren Frieden, meine Freiheit. 

Ist es nicht letztendlich das, was am meisten im Leben zählt? Zufriedenheit, Erfüllung, Freiheit, Glück? Wie erreicht man jedoch diesen Zustand in der heutigen Zeit und in unserer Gesellschaft? Kein leichtes Unterfangen...

Tocksfors, Schweden Auswandern 2020

Das Gefühl der Zufriedenheit, der Freiheit, des Glücks ist natürlich sehr subjektiv und der Ortswechsel allein wird das nicht herbei führen. Aber er kann wirklich ungemein helfen. Für mich war Reisen immer eine willkommene Möglichkeit meinen Horizont zu erweitern und mich inspirieren zu lassen. 

Was waren meine Gründe für die Auswanderung nach Schweden?

"Jede Krise bringt auch Chancen!" Das habe ich erst jetzt wirklich verstanden. Ich wollte schon seit Jahren mein Leben ändern, nicht mehr an der Schule als Lehrerin arbeiten, weil ich mit dem System nicht glücklich war. 

Mein Traum war es seit langer Zeit ortsunabhängig zu arbeiten und selbständig zu sein. Klingt aufregend aber auch riskant... Was ist, wenn ich dann nicht genug Geld verdiene, meine Miete nicht zahlen kann, nichts mehr zu essen habe? Mein Sicherheitsdenken hat meinen Träumen immer wieder ein Bein gestellt.

Corona Bier Sundsvall

Bis die Corona Krise mir gezeigt hat, dass es alles vermeintliche Sicherheiten sind. Selbst bis dahin gut gehende Unternehmen meldeten Kurzarbeit oder gar Insolvenz an. Auch wenn die Beamten in Deutschland sich noch sicher fühlen, ist alles eine Frage des Geldes. Griechische Beamte sind noch verbeamtet, nur wurden sie nicht bezahlt, als der Staat kein Geld mehr hatte. 

Auch die Maskenpflicht in Deutschland hat eine große Rolle gespielt. Für mich mit meinen 18 Allergien war es auch ohne eine Maske schon schwierig gut Luft zu bekommen. Mit Maske musste ich praktisch die Luft anhalten. Ich weiß nicht, wie lange andere Menschen ohne Luft leben können, aber ich schätze, die Wahrscheinlichkeit dauerhaft ohne Luft zu überleben ist deutlich geringer als mit Corona zu überleben.

Wenn ein Land lieber sehen möchte, dass ich mit 40 Jahren ersticke, als dass ich mit 82 Jahren an Corona sterbe, bin ich wohl im falschen Land. 

Da bin ich Anfang Mai auf Schweden aufmerksam geworden, das als einziges Land zu diesem Zeitpunkt keinen Lockdown und keine Maskenpflicht (bis heute) hatte. Auch trotz heftiger Kritik weltweit konnte Schweden an seinem Weg festhalten und hat die Bevölkerung gebeten Abstand zu halten und Zuhause zu bleiben, wenn man krank war. Dies und auch die eindeutige Empfehlung keine Masken zu tragen, findet man auf der schwedischen Seite des Gesundheitsministeriums (in englischer Sprache).

Die erste Reise nach Schweden

1. Mal in Schweden

Anfang bis Mitte Juni habe ich beschlossen mir Schweden persönlich anzuschauen. Da hatte ich schon Gedanken ans Auswandern, aber ich war noch nie in Schweden. 


Vor zwei Jahren war ich in Norwegen auf den Lofoten unterwegs und fand es toll. Normalerweise bin ich eher der Südostasien-Typ.


Schweden hat mich von Anfang an bezaubert. Nach dem ersten Tag in Stockholm habe ich mich so wohl gefühlt und wollte nicht mehr weg.

Auf der zwölf-tägigen Reise war ich in Stockholm, Örebro, Karlstad, im Ferienhaus in Sunnemo (im Bild), kleineren Städtchen Sunne und Torsby (dazwischen lag mein Traumhaus), Kristinehamn, Mariestad, Motala, Vadstena, Norrköping, Gävle und zum Schluss Sundsvall. Dort hat es mir auch am besten gefallen und da stand die Entscheidung für die Auswanderung fest.


Ich werde nach Schweden auswandern!

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Schwedisches Haus mit Schaukel

Zurück in Deutschland...


gab es viel zu tun. Ich habe mit meiner Entscheidung gleich ein festes Datum festgelegt. Es sollte der 3. August 2020 sein und der war schon in nur 7 Wochen! ( Drei ist meine Glückszahl!)


Als erstes kündigte ich mein 1.5-Zimmer Appartement in München. Da hatte ich eine 6-wöchige Kündigungsfrist und musste dann zum 31.07. ausziehen. Das ist mir nicht so schwer gefallen, denn bei 900 € Miete, war es sowieso sinnvoll sich etwas Günstigeres zu suchen.


Dann stand die Kündigung meiner Arbeit an.  Ich war zehn Jahre lang verbeamtete Lehrerin. Da macht man sich schon mal ein paar Tage Gedanken, ob man das wirklich aufgeben will.


Außerdem kündigt man ja nicht als Lehrer - man stellt einen "Antrag auf Entlassung aus dem Beamtenverhältnis". Das geht über die Schulleitung an das Schulamt und dann an die Regierung Oberbayern. 


Ich hatte vor allem Bedenken wegen der Reaktionen der Schulleitung und der Kollegen. Meine Schüler würden es cool finden, das wusste ich. Die Kollegen waren natürlich auch sehr überrascht, manche auch verwundert, warum gerade Auswanderung nach Schweden... Insgesamt jedoch haben sich viele für mich gefreut und mir alles Gute auf dem neuen Weg gewünscht.

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Auswandern nach Schweden in 2020

Weitere Hürden für die Auswanderung in Deutschland

Das war natürlich noch nicht alles - wohin mit den Möbeln und dem ganzen Zeug?


Mein Appartement war möbliert, dort hatte ich nur viele Klamotten und Bücher. Aber vor München hatte ich eine 105 qm große Wohnung mit einem Künstler-Atelier. Die Sachen aus dieser Wohnung waren in Nord-Bayern eingelagert, was mich jeden Monat 330 € kostete. 


Ich hatte in Schweden noch kein Haus und keine Wohnung, also habe ich beschlossen, die Möbel erstmal in der Nähe von München in einem günstigeren Lagerhaus für nur ca.  120 € einzulagern und mit der Zeit auszumisten / Sachen zu verkaufen. 


Das Überführen der Möbeln hat mich viele Nerven und noch viel mehr Geld gekostet, aber ich war froh, dass die monatlichen Kosten gesenkt waren.


Bei der Auswanderung nach Schweden hatte ich somit nur einen großen Koffer, einen Handgepäck-Koffer und einen Rucksack dabei.  Gerne hätte ich mehr mitgenommen, aber das muss man auch schleppen können, wenn man kein Auto fährt und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reist.


Job schon gefunden?

Fehlanzeige! Ich habe viel recherchiert - im Internet und in Facebook Gruppen. 


Jobanzeigen findet man zum Beispiel auf Jobbsafari oder beim schwedischen Arbeitsamt . Auch auf den Webseiten von größeren Städten findet man Stellenanzeigen für Jobs, die von der Stadtverwaltung (Beispiel Sundsvall) gesucht werden. Gefragt sind Lehrer (auch ohne Ausbildung darf man in Schweden an der Schule arbeiten), Pflegekräfte und "personal assistants" - da betreust du geistig oder körperlich behinderte Menschen (auch ohne spezielle Ausbildung möglich).


Für manche Jobs braucht man eine schwedische Anerkennung oder gar schwedische Ausbildung. Andere kann man auch so anfangen, wie z.B. Kellner oder Verkäufer / Supermarktmitarbeiter. 


Der Job ist schon sehr wichtig, da Schweden (außer bei einem Asylantrag) keine sozialen Leistungen  an Einwanderer zahlt. Mit einer Arbeitsstelle ist man automatisch sozialversichert und bekommt die Personennummer, die hier eine große Rolle spielt.


Hier findest du zahlreiche Tipps für deine Jobsuche in Schweden!


Hast du die schwedische Sprache schon gelernt?


Ja, freilich... Wann denn? In sieben Wochen lernt man keine Sprache, während man die Auswanderung organisiert. 


Deswegen habe ich die klassische Jobsuche auch zurück gestellt. Eine Stelle als Deutschlehrerin hätte ich ohne Probleme gefunden und auch bekommen. Nur wenn mein Schwedisch gerade auf "Jag heter Julia!" beschränkt ist, werde ich die Schüler nicht im Griff haben und mich wieder nur nervlich aufreiben.  Dafür bin ich nicht ausgewandert.


Auch für die anderen, selbst ganz einfache Jobs im Supermarkt oder als Kellner sollte man über Grundlagen der schwedischen Sprache verfügen.


Ich habe angefangen Schwedisch mit der Babbel App zu lernen und bin bis jetzt sehr zufrieden damit. Man arbeitet an allen Bereichen - Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen und die Lektionen sind kurz und kurzweilig. 


Wenn ich dann endlich mich für eine längere Zeit niederlasse, werde ich den kostenlosen SFI Sprachkurs machen. Der geht über mehrere Monate und man kann aussuchen ob man online oder vor Ort lernt. Zu finden auf Webseiten jeder größeren Stadt.


Wohnung gemietet oder Haus gekauft?


Weder noch. Die erste Nacht in Schweden verbrachte ich wieder in Sundsvall im Good Morning Hotel. Da wollte ich unbedingt wieder hin und diese freundliche Atmosphäre in der Stadt genießen.


Natürlich wäre es viel zu teuer hier die ganze Zeit in Hotels zu wohnen, eine Nacht kostet oft zwischen 70 - 120 €. In Norrköping habe ich ein Hotel gesehen, welches Zimmer für 600 €  für einen Monat anbietet. 

Julia Art in Schweden in Vadstena


Schnelle Auswanderung mit "Urlaub gegen Hand"


Meine Lösung war jedoch eine ganz andere! Da ich viel in verschiedenen Facebook Gruppen unterwegs war, habe ich zufällig einen Post gefunden, dass eine deutsche Familie mit einem Ferienhof eine Aushilfe und Hofwache für den Sommer sucht. Ich habe mir ihre Webseite Solberget angeschaut und ihre 5-Sterne Bewertungen bei Tripadvisor durchgelesen und dachte, da bewerbe ich mich mal. 

Auswanderung nach Schweden Rentier Wanderung


Die Vereinbarung war, dass ich auf den Hof aufpasse, wenn die Familie verreist und ab und zu koche, leichte Tätigkeiten erledige und die Rentiere füttere. Dafür kann ich dort einen Monat kostenlos wohnen und essen. Das nennt man Urlaub gegen Hand und es gibt eine große Facebook Gruppe, in der ich auch weitere Angebote fand. 


Somit waren die Probleme mit Wohnung, Job und Sprache für mich vorerst erledigt. Deswegen konnte ich auch in so kurzer Zeit auswandern. Hätte ich erst die Sprache lernen wollen, den richtigen Job finden und noch ein Haus kaufen... würde das Jahre in Anspruch nehmen. All diese Dinge erledigt man sowieso lieber vor Ort.


Puh, das war ein langer Blogpost und ich könnte noch ewig weiter schreiben! Es gibt noch so viel zu erzählen und zu zeigen, aber das hebe ich mir für weitere Blogposts und auch mein Buch auf! Dort findest du zahlreiche Hilfen, die dir selbst bei der Entscheidung und Auswanderung hilfreich sein werden.


Ich habe meinen ganzen Mut zusammen genommen und eine Entscheidung getroffen. Eine Entscheidung für den Frieden und für die Freiheit! Das sollte auch dein Anfang sein, wenn du wirklich nach Schweden auswandern möchtest.


Denn damit fängt alles an - mit deiner Entscheidung!

Liebe Grüsse aus Schweden,

Deine Julia Art


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  1. Liebe Julia,

    Ich glaube, ich lese von Beginn deiner Auswanderung deinen Blog. Herrlich…..
    Ich bin Anfang letzten Jahres von Norddeutschland (Grenze Dänemark) nach Österreich gegangen, wollte einen Neuanfang mit 50.
    Es erfüllt mich nicht, ich bin ein Nordenmensch…..
    Jetzt bereite ich mich vor, nach Schweden zu gehen, dein Blog hat mich dazu inspiriert und viele Fragen die einem im Kopf schwirren, beantwortest du hier. Vielen Dank auch mal dafür!
    Mit der Sprache habe ich vielleicht nicht ganz so Probleme, da ich paar Jahre in Dänemark gearbeitet habe und vieles ableiten bzw verstehen kann.
    Mach weiter so, ganz ganz toll deine Arbeit, um anderen zu helfen und ihren Traum zu verwirklichen.
    Vielleicht lernt man sich ja auch mal kennen! Alles Gute dir weiterhin!

    1. Danke schön, Katja! Das freut mich, dass du nun deinem Herzen folgen wirst und wenn ich mit Inspiration und Information dazu beitragen kann, finde ich das super!

      Komm nach Schweden, vi ses! 🙂

    1. Vielen Dank, Alexandra! Ich freue mich über die moralische Unterstützung und überlege mir schon weitere unterhaltsame Abenteuer und noch mehr gute Tipps! Morgen geht es in den Abisko Nationalpark!

  2. Liebe Julia,
    Du sprichst mir aus der Seele, wir sind eine junge Familie, 2 Kinder eine Eigentumswohnung, doch weißt du was ? Ich als Krankenschwester kann so nicht mehr weiter machen. Ich sehe das miserable schulsystem, die Kinder die unter dieser Hetzerischen Welt leiden, es muss immer höher schneller und weiter sein. Das bin nicht ich. Ich will das Kinder Kinder sein dürfen, ich will sie im Matsch spielen sehen ohne Maske. Und ich für meinen Job will einfach für die Patienten da sein können und nicht schauen wer am meisten Kohle einbringt. Ich brauche bestärkung das ich richtig denke meinen Kindern ein schöneres ruhigeres Leben in Schweden zu bieten…. vielleicht kannst du mir was erzählen wie es den Kindern dort geht.
    Liebe grüße angie

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